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Das Leben auf meiner Insel

Nachrichten aus Atlantis








- eine unendliche Geschichte in Fortsetzungen -

Start: 30.Juli 2005

"Schreib dein Leben auf ein Stück Papier und warte - bis die Zeit vergeht"

( Spliff - Déjà vu,1982)

FSK:16
(Teile des Inhalts des folgenden Weblogs sind für Personen unter 16 Jahren nicht geeignet!)




(Den Ton kann man abstellen, indem man auf das Lautsprechersymbol klickt).





Verfasst am 14.03.2010 11:03:49 Uhr
Atlantis 278: Amsterdam
hoch verehrtes Tagebuch, liebe Gemeinde,

was haben Amsterdam und Atlantis gemeinsam? Na, sie sind nah am Wasser gebaut und dem Untergang geweiht. Für mich war lange Zeit Amsterdam = Atlantis....es war ein Fluchtpunkt, ein Heraus treten aus der Realität in eine bunte und sorglose Welt. Die Stadt hat mich immer fasziniert und ich habe sie als Heimat empfunden, obwohl ich nie dort gelebt, sondern nur die Wochenenden und einmal 4 Wochen Urlaub dort verbracht habe.

Dort traf ich eine der beiden großen Lieben meines Lebens, mal so ganz nebenbei erwähnt, die jedoch auch tragisch enden musste, wie alle großen Lieben...aber ich habe viel daraus gelernt und ich bin dankbar für die Zeit.

Ich war schon lange nicht mehr dort, das letzte Mal habe ich mich kurz vor Jahresende 2001 mit meinem Freund M. dort getroffen, M., meine große Liebe, heute sage ich: mein Zwillingsbruder...meine Dualseele, wenn man so will, heute lebt er längst in den USA und ich hier....und er ist dort glücklich verheiratet und ich weiß nicht wo ich glücklich bin...hier oder anderswo....ich kann mir selbst nicht entfliehen. Von Schmetterlingen im Bauch bekomme ich Blähungen....

Ich habe mal das Lied von Joan Baez herausgekramt, es erinnert mich nicht nur an Amsterdam allein, sondern an meine Gefühle für die Stadt, für M., der damals in einer kleinen Wohnung am Rande des Trubels wohnte...der die Sonne war für mich...ein Leuchten und Wärme....immer fröhlich und dann seine Musik....die Flöte....put a spell on me....( das kann man auf Deutsch nicht sagen).

Niederländisch kann ich zwar verstehen, aber nicht sprechen. Mit M. habe ich immer Deutsch gesprochen, obwohl die Niederländer die Deutschen nicht mögen, verständlicherweise. Wenn wir mal telefonieren, so alle paar Jahre mal, dann sprechen wir Deutsch...

Leider habe ich die Musik zu dem Text nicht gefunden im Netz....ist enthalten auf der CD: play me backwards von Joan Baez. Joan Baez gehört auch zu meinen Lieblingsmusikern. All Time favourites.


vielleicht kann man es hier anhören:
http://www.lastfm.de/music/Joan+Baez/Play+Me+Backwards







Ja, nun genug der Nostalghie, aber die Gegenwart bringt wenig Erfreuliches mit sich...Ärger auf der Arbeit. Wie immer, Stress ohne Ende.Frustration auf der ganzen Linie, fehlende Loyalität unter den Kollegen, halt das Übliche.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden.

Ich bin kaputt und müde und mache heute früher Schluss als sonst. Möge die Macht mit euch sein.
Hochachtungsvoll


Eure Mrs. Robinson
140310


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Verfasst am 07.03.2010 11:22:02 Uhr
Atlantis 277: Sturm



Hoch verehrtes Tagebuch, liebe Gemeinde,

just als ich letzte Woche den obligatorischen Eintrag schrieb, zog Xyntia über das Land...ohne dass ich viel davon mit bekam..es war etwas windig draußen, ja, stimmt, aber es hatte schon doller gestürmt. Einmal – vor Jahren -zog ein Tornado eine Schneise der Verwüstung durch die Innenstadt und zerstörte eine Wohnstraße und ein Hallenbad und ich erinnere mich noch an Kyrill....und wie die alle heißen.

Auf dem Weg zu meiner Mutter fiel mir schon auf, dass einige Äste auf der Fahrbahn lagen....an solchen Tagen mache ich mir meistens nur Sorgen um die Pferde, aber denen geht es gut.

Inzwischen war auch schon mal wieder der Schmied da, der ist etwas vertüttelt und hat sein Handy angeblich nicht mehr, jedenfalls hatte er auf mehrere Anfragen meinerseits nicht reagiert und nur über Mundpropaganda wusste ich von seinem geplanten Auftritt am Stall. Die Pediküre meiner beiden Lieben war schon sehr lange her, da sie Barhufgänger sind, alle beide, müssen die Hufe nur alle 3 Monate einmal nachgeschnitten werden und jetzt war es über den Winter schon über 4 Monate her.

Gestern sah ich den Sonnenschein und dachte: au ja, ausreiten...aber dann das Thermometer: 0 Grad und das Anfang März! Da dachte ich mir: nicht ausreiten. Und auch den Paddock reinigen konnte ich wegen des Frostes nicht wirklich gut. Blieb nur noch etwas Longieren, sozusagen pro forma. Aber lange kann es ja nun nicht mehr dauern, bis die Reitsaison wieder beginnt, irgendwann liegt jeder Winter am Boden.

Mir ging es die ganze Woche nicht gut, ich war ständig am Rande eines Nervenzusammenbruchs, in der Firma herrschte ein Chaos und eine aggressive Grundstimmung unter der Kundschaft. Es war nur noch laut und niemand hörte auf mich, abgesehen von meiner eigenen Gruppe, die ich sehr gut im Griff habe. Was mir die Chefin auch noch bestätigte, denn sie sagte, ich dürfe nicht außer Haus als Gutachterin arbeiten, da mich keiner vertreten könne, da die lieben Kleinen so auf mich fixiert wären. Denen bringe ich jetzt gerade so etwas bei wie Grunddisziplin, bei Pferden würde man sagen: Bodenarbeit und tatsächlich übertrage ich von der Arbeit mit den Pferden viel auf die Kinder, auch die Belohnung mit Bonbons, was bei Pferden mit Leckerchen gelernt wird, hilft bei Kindern mit Schokobons...natürlich mit anschließendem Zähne putzen.

Am Donnerstag machte ich in der Besprechung dann meinem Frust mal so richtig Luft, viele leiden unter der Unverschämtheit der Kundschaft, die null Respekt vor Erwachsenen zeigen und einen – wie mir am Donnerstag im Schwimmbad geschehen – permanent ignorieren und auch beleidigen. Und eine Zehnjährige beschimpfte sogar die zahlenden Badegäste-

Ich habe das Gefühl, dass jeder von uns alleine vor sich her wurschtelt und leidet ohne den Mund mal aufzumachen. Niemand gibt zu, dass er/sie mit seiner /ihrer Kraft oft hart am Limit ist...und die Chefin macht einen auf heile Welt nach außen hin. Sie sagt, unsere Einrichtung habe ja nach außen einen sehr guten Ruf....nur im Dicht halten, halten wohl alle zusammen, im Totschweigen....sie sitzt da in ihrem Wolkenkuckucksheim und tut ganz erstaunt...

Die ganzen Probleme, die die Kinder und Jugendlichen aus ihrer Umwelt mitbringen, belasten einen auch noch nach der Arbeit, man bekommt nie Ruhe und nachts keinen Schlaf, weil man nicht abschalten kann und perverserweise auch noch die Schuld für die ganzen Konflikte bei sich selbst sucht....erst durch die Gespräche mit dem Nachhilfelehrer meines Sohnes habe ich erfahren, dass ich nicht die einzige bin, der es so ergeht. Die Arbeit ist für die meisten ein täglicher Kampf gegen Windmühlen....

Aber seit gestern fühle ich mich besser, nicht mehr so erschöpft. Ich habe eine starke Seele, auch wenn ich phasenweise denke ich bin nahe am Verrückt werden. Ich kann den Stress immer schlechter kompensieren.

Abgesehen von dieser Belastung hatte ich aber noch ein Erfolgserlebnis: ich habe meinem alten PC einen besseren Arbeitsspeicher verpasst, mit 1 GB und zusammen mit dem alten hat er jetzt 1256 MB und ist rasend schnell geworden.

Der Einbau verlief völlig problemlos und ohne Komplikationen und nun habe ich also noch ein funktionierendes System, nutze allerdings meistens den Laptop, ist halt bequemer auf dem Sofa.

Spiele immer noch die Siedler 6, jetzt das Addon „Reich des Ostens“. Das entspannt und ich kann mich abreagieren.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden.

Möge die Macht mit euch sein und der Frühling endlich kommen!!

Hochachtungsvoll
Eure Mrs.Robinson
080310

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Verfasst am 28.02.2010 15:36:49 Uhr
Atlantis 276: Cooks in the Kitchen





Hoch verehrtes Tagebuch, liebe Gemeinde,


diese Woche war so eine, die man gerne per Schnellvorlauf auf dem großen Recorder des Lebens überspringen möchte.

Fing schon Montag gut an mit der Blasenkathederuntersuchung. Nicht nur, dass es mir sehr peinlich war, mich da vor der Arzthelferin zu entblößen, es tat auch noch sehr weh und sie konnte sich eine Bemerkung über meine Weichteile nicht verkneifen, die wenig hilfreich war und sie drückte da rum, wo ich sehr empfindlich bin, sowieso, ob Katheder oder nicht und .....NIE WIEDER.

Anschließend musste ich noch warten um zu erfahren, dass der Urin nicht ganz in Ordnung war und sie mich anrufen würden, falls ich noch was bräuchte.

Bisher haben sie nicht angerufen, also scheine ich nichts zu brauchen...

In der Firma machte an dem Tag eine Kollegin auch noch eine Prüfung, zu der eine Konferenz mit allen Mitarbeitern gehörte, also hing ich da nach der Blasenfolter noch lange herum und war dann am Ende auch wirklich total am Ende.

Am Mittwoch wurde ich aus meiner wohlverdienten Pause gerufen, von Chefin herzitiert, weil so ein Knödel von Schnösel einen Computer für den Arbeitsraum lieferte und irgendwas von einer IP-Adresse faselte, die er bräuchte. Nun laufen aber unsere PCs alle über einen Server und da muss man nur einen neuen Benutzer anmelden, was ich aber nicht kann, da kommt immer ein Spezialist. Aber der Lieferant war so ignorant und schloss den neuen PC einfach an, nahm den alten mit sämtlichen Daten einfach mit, futschikato....ich hatte einen Hals....das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Er hatte nämlich auch kein Passwort dagelassen.

Das Passwort ist inzwischen da und der neue Computer nutzbar, aber mit Windows XP, was mich auch schon wieder aufregte, denn mit dem Spezialisten hatte ich besprochen, dass wir Windows 7 nehmen.

Too Many Cooks in The Kitchen!!!!!

Nun riefen aber auch Kollegen in der Beschwerdestelle an, um Dampf zu machne, dass wir die Dateien bekommen...was für ein Schwachmat...der Lieferant...Ahnung von nullkommanix.

Mir war die ganze Woche so flau zumute und der ganze Ärger saß mir lange in den Knochen, obwohl ich mir die Schuhe nicht immer anziehen sollte, sind ja nicht meine Computer, ich fühle mich nur verantwortlich.

Selbst schuld war ich dann am Mittwoch, dass ich zu einer Besprechung betreffs Bibliothek auflief, die aber verschoben war, mich erreichte nur die Nachricht nicht, aber auch deshalb nicht, weil ich nie in den Mitarbeiterraum gehe in den Pausen...ich brauche meine Ruhe und da ist mir immer zu viel an Getümmel.

So hatte ich eben meine Zeit unnötig geopfert...

Abends rief mich der Bauer an vom Stall, der Wallach würde husten..nun hat das Pferd schon lange eine chronische Bronchitis mit einer Heustauballergie, die aber in den letzten Jahren sehr stark zurück gegangen ist, bis fast zur Symptomfreiheit. Früher bekam der im Frühling immer schlimmer Asthmaanfälle, aber seitdem er im Offenstall lebt und 24 Stunden nach draußen kann, ist es so gut wie nie mehr aufgetreten.

Trotzdem machte ich mir Sorgen, konnte aber erst am Samstag hin. Hab ihn dann kräftig mal an der Longe gescheucht, aber kein Husten.

Also Entwarnung. Dass der ab und zu mal hustet, hat nichts zu bedeuten.

Heute habe ich das Zimmer meines Sohnes aufgeräumt, davon wird der nicht begeistert sein, aber es war so staubig in den Ecken und er hatte noch so viel Gerümpel herum stehen und einen Großteil seiner Bücher und Spiele kann ich auch in der Firma gebrauchen...meine Güte, was ist der faul, in den Ecken hat der schon seit Jahren nicht mehr gesaugt.

Er wird nicht begeistert sein, aber ich bin ja immer noch die Mutter und Inhaberin der Wohnung...wir hatten ja schon mal Mäuse hier, die fühlen sich wohl in dem Dreck.

Er hat übrigens eine Prüfung bestanden zu einem „EDV-Führerschein“, die alle Berufskollegs mit dem Zweig Wirtschaft durchführen, sogar mit 85 %. Und die BWL Arbeit war auch wirklich 3 und mit der Mathenachhilfe läuft es auch gut, ich hoffe, der Kollege macht das noch eine Weile weiter. Habe ihm jetzt doch mal etwas Geld gegeben, zumal der finanziell gerade nicht so gut da steht.

Jetzt ist das Wochenende schon wieder um und ich habe das Gefühl, dass ich unendlich schlafen könnte, bin nur noch müde.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden.

Möge die Macht mit euch sein! Und der Regen aufhören.

Hochachtungsvoll
Eure Mrs. Robinson



Lyrics | Leonard Cohen lyrics - A Partisan lyrics



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Verfasst am 21.02.2010 11:39:09 Uhr
Atlantis 275: Schlüssel


Hoch verehrtes Tagebuch, liebe Gemeinde,


alles wendet sich zum Guten, das Universum ist wie eine Waagschale, es schafft immer wieder den Ausgleich.

Die Autowerkstatt verlangte meinen Zweitschlüssel um ihn im Zuge der Reparatur der Steuereinheit neu zu programmieren....ich musste extra nochmal nach Hause fahren um ihn zu holen...aber er war nicht auffindbar.

Mit Sicherheit habe ich ihn beim Kauf des Wagens bekommen und ich dachte ihn auch sicher bei den übrigen Unterlagen, aber...Fehlanzeige.

Ist nicht weiter tragisch, ich hatte ihn bis dato nicht vermisst, aber ich wundere mich...ob es in meiner Wohnung nicht doch so etwas wie ein Dimensionsloch gibt? Einen Zugang in ein Paralleluniversum, wohin die Gegenstände verschwinden und plötzlich wie aus dem Nichts wieder auftauchen, wenn man lange genug wartet und – ganz wichtig!!! - aufhört mit dem Suchen.

Allerdings ist die CD von Clannad noch nicht wieder erschienen...der Schlüssel auch nicht.

Eine andere mysteriöse Sache war die: als es eine Störung im W-LAN im Zimmer meines Sohnes gab und ich die Verbindung wieder herstellen wollte, wählte ich mich versehentlich in eine andere im Haus existierende Verbindung ein...mit meinem Netzwerkschlüssel, was aber laut T-Online nicht gehen dürfte...die Verbindung brach zwar sofort wieder ab, aber blieb so 3 Sekunden bestehen...ich mache mir jetzt keine Sorgen deswegen, mein Wlan ist gesichert, aber trotzdem merkwürdig.

Mein Sohn hat jetzt wohl in der BWL/Rechnungswesen-Klausur eine 3 geschrieben, was ihn und den Lehrer wunderte, mich aber nicht. Schließlich hatten wir eine ganze Woche durchgepaukt.

Er bekommt jetzt auch (kostenlose!!) Nachhilfe durch einen kurdisch-stämmigen Kollegen von mir, ein etwas verrücktes Exemplar, das noch nicht ganz aus der Pubertät gekommen ist mit 40 Jahren, aber das ist kein Nachtteil in unserem Job. Der war mal an einer Gesamtschule Mathelehrer.

Mein Sohn kommt mit diesem Mathefreak sehr gut zurecht und lernt auch viel, da der Mann in der Lage ist ihn wirklich zu motivieren...und ich koche ihm auch immer schön einen Kaffee und stelle Kuchen hin....ich würde ihm ja gerne etwas dafür geben, aber er will nicht, ich glaube, Nachhilfe geben ist sein Hobby....letztens hab ich ihm eine Schachtel Pralinen mitgebracht.

Nach der Nachhilfe wird dann noch über die Firma, die Chefin und einige Kolleginnen und Kollegen abgelästert....also der krude Kurde ist einer der letzten, die eingetreten sind in das Narrenhaus und findet sich nicht mit allem so zurecht. Kulturell bedingt ist er auch schneller in seiner Ehre verletzt als die anderen, denke ich. Vor allem die Chefin hat bei ihm keine guten Karten mehr, seit sie ihn im Beisein anderer ungerechtfertigt diffamierte....sie kann halt nicht mit Menschen, ist so.

Obwohl ich ja sonst den Kontakt mit meinen Kollegen meide, ich trenne Beruf und Privatleben strikt, finde ich die Lästerei ganz nett und es fällt mir auch nicht schwer, mit dem Kollegen zu quatschen. Er hat sicher sonst niemanden wo er seinen Frust loswerden kann.

Ich hoffe, es hilft meinem Sohn eine bessere Note in Mathe zu bekommen.

Letztes Mal hab ich ja tief ins Nähkästchen gegriffen, um Atlantis zu erklären. Aber meine Kindheit war nicht so schlecht, wie es aussehen mag, subjektiv im Nachhinein beurteile ich manches negativer, als ich es damals empfunden hatte.

Ich hatte immer Angst/Abscheu vor meinem Vater, ich hab zeit seines Lebens keine Beziehung zu ihm aufbauen können, das stimmt.

Er war aber kein Alkoholiker, das Trinken fand immer im gesellschaftlichen Rahmen statt, doch dann oft in Extremen, das war zu der Zeit ( 50ger und 60 ger Jahre) jedoch nichts Ungewöhnliches. Nach den Entbehrungen der Nachkriegszeit wollte man sich halt was „gönnen“. Familienfeste arteten immer in Sauforgien aus, das Komatrinken ist keine Erfindung heutiger Jugendlicher. Das hatten die Großeltern schon kultiviert.

Durch meine Abstinenz bin ich ja schon fast zur Außenseiterin abgestempelt, man wurde überall schief angesehen, wenn man nicht „mittrank“. Den anderen war diese Verweigerung suspekt, man war eben ein „Spaßverderber“.Es gehört schon ein Portion Stärke und Selbstbewusstsein dazu konsequent Alkohol und Tabak abzulehnen. Ich habe aber kein Problem damit.

Das Verhältnis zu meinem Vater war schwierig, ich hab es an dieser Stelle schon häufiger erwähnt, zeitweise habe ich ihn gehasst...inzwischen sind die Gefühle verschwunden, es ist nichts zurück geblieben, kein Bedauern, kein Hass, er ist fort und seiner Seele wünsche ich Frieden. Die Sache ist für mich abgeschlossen. Ende.

Meine Mutter versucht immer noch seine guten Seiten heraus zu stellen, obwohl sie unter ihm sehr zu leiden hatte, grundlose Eifersuchtsattacken, besonders unter Alkohol, wobei er selbst gerne flirtete und auch einen leichten Hang zu ganz jungen Mädchen zeigte, vor allem in späteren Jahren, bevor ihn die Schlaganfälle an den Rollstuhl banden und die Abhängigkeit von meiner Mutter größer wurde. Sie meint immer noch ihn entschuldigen zu müssen. Vielleicht hat sie ihn wirklich geliebt.

Mein Vater benahm sich immer wie ein verzogenes Kind meiner Mutter gegenüber, insofern hatte sie keinen Ehemann, sondern einen Sohn und auch keinen Partner.

Ich habe die Ehe meiner Eltern nur als Gefängnis erlebt und mir schon als Kind gesagt, dass ich nie heiraten will. Eigentlich wollte ich auch nie Kinder, aber die Seele meines Sohnes hat mich eines Besseren belehrt, das Karma lautete anders.

Inzwischen lebe ich gerne als Single, ich verstehe auch gar nicht, warum alle immer krampfhaft nach einem Partner oder der „Liebe“ suchen und sich so einen Stress damit machen. Liebe ist eh nur Illusion, eine Projektion unerfüllter Bedürfnisse auf eine fremde Person, die diese in der Regel nur unvollkommen erfüllen kann. Was einem selbst fehlt, sucht man halt im Außen, in anderen Menschen. Selten passt der Pott zum Deckel.

Liebe den Nächsten wie dich selbst, aber das heißt: lerne zuerst dich selbst zu lieben...

Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden.

Möge die Macht mit euch sein und der Winter endlich gehen.



Hochachtungsvoll
Eure Mrs. Robinson
210210


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Verfasst am 14.02.2010 12:26:29 Uhr
Atlantis 274: Atlantis

Atlantis- Georg Danzer – MyVideo

Hoch verehrtes Tagebuch, liebe Gemeinde,

also auf vielfachen Wunsch schreibe ich weiter, auch wenn ich manchmal keine Lust habe, mein Leben hier so öffentlich auszubreiten...aber wie heißt es so schön im Zauberlehrling von Meister Goethe: „Die Geister, die ich rief, werd ich nicht mehr los!“

Guten Tag also...werde ich euch weiter erfreuen, euch Geister...

Über die vergangene Woche ein Kurzabriss:

Laptop gereinigt: läuft, Auto in Werkstatt überprüft, Fehler ausgelesen: Rosenmontag 8.00 Reparaturtermin Steuereinheit am Lenkrad, 350 Euro,Ersatzteil bestellt, läuft, Mathenachhilfe durch netten Kollegen, erfolgreich:läuft, Schnee: liegt weiter, Handschuh verloren und auf Treppe wiedergefunden, Stute läuft wieder, Finger bei Minus 6 fast abgefroren, heute mit Frühstücksmesser in Daumen geschnitten, aua...

Karneval im Schnee, hihi...bleibe zu Hause, hasse Karneval genauso wie Weihnachten und Geburtstage, dafür morgen frei, aber früh raus und Auto weg bringen, hoffentlich sind dann noch keine Narren unterwegs. Im Schnee...

Taxidriver hat am Fr. Kommen angekündigt, wurde wieder mal nix...mit Nautiker Sa Nachmittag videotelefoniert, verabredet, wegen Arbeit nicht gekommen, egal.....

Heute Steuererklärung....wollte mal in den Club, aber nicht bei dem Schnee in die Berge fahren (liegt im Bergischen, der Club)

So, das war der Wochenabriss im Schnellverfahren, das Wichtigste in Kürze, nun zu Atlantis, also zu dem eingangs eingestellten Song von Georg Danzer, im Original natürlich von Donovan, aber von Danzer in breitestem Wienerisch, hat was, außerdem auch für die, die des Englischen nicht so mächtig sind. Georg Danzer gehört zu meinen Favoriten, leider ist er vor einiger Zeit dem Krebs zum Opfer gefallen. Möge seine Seele den Frieden finden in Atlantis. Oder wo auch immer.

Mich hat der Song von Donovan inspiriert und als 13 jährige schuf ich mir in „Atlantis“ eine Parallelwelt, in der alle auf mich hören mussten und ich zu sagen hatte, ein Alter Ego, die Fürstin Amely von Waldhof, wohnhaft im gleichnamigen Schloss zu Waldhof.

Es war eine krude Geschichte, gesponnen aus Mädchenträumen über Pferde und sprechende Tiere. Damals wünschte ich mir nichts mehr als einen schwarzen Araberhengst ( bekommen habe ich dann mit 32 einen weißen Shagya Wallach, aber egal....den lieb ich über alles immer noch...), schwarz wie Kara Ben Nemsis Rih...ich habe die Karl May Geschichten nicht nur gelesen, sondern durchlebt und nachgespielt...mein 1. Pferd im Jahr 1985 war dann auch schwarz, aber kein Araber, sondern ein riesiges Englisches Vollblut mit Rennpferdgenen, leider 1998 im Alter von 21 Jahren verstorben...ich schweife ab, ich wollte doch von Atlantis erzählen.

Ich dachte mir eine krude Story aus mit Zeitreisen in die Römerzeit, die mich damals sehr faszinierte, ich konnte alle römischen Kaiser mit Regierungsdaten benennen und wusste alles über das Römische Reich, noch heute hab ich einen besonderen Draht dazu. Allerdings die Fakten nicht mehr so parat...

Ich habe damals unheimlich viel gelesen und nicht nur gelesen, ich war immer mitten drin. So schuf ich mir ein eigenes Alantis.

Dort konnte man sich durch Telekinese in jede Zeit wünschen, so kam es, dass mein bester Freund und „Mitregent“ eine Romangestalt war, aus dem Buch „Der Adler der 9. Legion“ von Rosemary Sutcliffe...Marcus Flavius Aquila, mein Held. In besagtem Roman sucht der den Adler der 9. Legion, der nach deren Vernichtung in die Hände der Picten ( Hochlandschotten!!) geraten war. Seitdem habe ich eine besondere Beziehung zu Schottland und auch dem Rest der Britischen Inseln, sowie zu den Kelten.

In meinem Atlantis gab es auch Widersacher, eine Frau namens Corona von Ingelstein, ein mir sehr übel gesonnes Weib, Regentin der „Raben“, Herrscherin von Ingelstein....aber auch nicht älter als 16 ( hier galt wirklich: Kinder an die Macht!! oder besser gesagt: Teenager), die mein schönes Reich namens Pferdeland ( sic!!) immer wieder überfiel und sich untertan machen wollte. Doch Marcus, mein Held, befehligte eine sehr schlagkräftige Streitmacht, natürlich die 9. Legion und konnte die feindlichen Angriffe durch kleine, heimtückische Pfeilen, getränkt in Rübensaft (!!!!!!!!) immer wieder abwehren. Corona neidete mir meine Stellung, so ähnlich wie heute bei Germany´s Next Top Model, also Marke Zickenkrieg.

Irgendwann gab dann Corona auf und es gab eine Art Waffenstillstand, aber das nächste Problem tauchte auf in Gestalt des Römischen Kaisers Marc Aurel, der durch das Raum-Zeit-Kontinuum nach Atlantis kam und meinte doch tatsächlich, dieser Kontinent müsse dem Römischen Reich noch hinzugefügt werden.

Aber nicht mit mir, Amely von Waldhof, der Fürstin des Pferdelandes...natürlich konnte ich den Kaiser davon überzeugen von seinem Vorhaben abzulassen, durch diplomatisches Geschick und mithilfe von Kartoffeln, die dem Imperator sehr mundeten...

Auch ein anderer Nachbar, ebenfalls ein Römer, ein desertierter Soldat, der eine „Weiße Legion“ anführte, machte der Fürstin das Leben schwer...jaja, die lieben Nachbarn...

Später kam es noch fast zu einem infamen Anschlag auf meinen etwas trotteligen Premierminister, Fleming Patagou,den ich natürlich in Sherlock Holmes Manier mit Marcus als Watson aufklären musste. Mit dem Premierminister wurde Amely nicht grün, was Wunder auch, er war ja der Elterninstanz nachempfunden. Ein gewisser gescheiterter Krimiautor namens Klepstock spielte dabei eine nicht unerhebliche Rolle, als ebenso gescheiterter potenzieller Attentäter. Der Premierminister war mir natürlich hinterher unendlich dankbar und fraß mir/Amely sozusagen fürderhin aus der Hand.

Soweit die Story...irgendwie zusammen gesetzt aus Versatzstücken der Bücher, die ich las, gerührt und geschüttelt durch meine überbordende Fantasie und meinem schriftstellerischen Talent, das aber nirgendwo wirklich gewürdigt wurde, am wenigsten von meinen Deutschlehrern, denen mein Geschreibsel unter der Schulbank äußerst suspekt war.


Ich lebte bis zu meinem 18. Lebensjahr in dieser Parallelwelt, die Realität glitt einfach an mir ab wie Regentropfen an einer geölten Fläche. In Wirklichkeit war ich einsam und unglücklich, litt unter meinem Vater und Schwierigkeiten in der Schule, hatte sehr wenig Selbstbewusstsein, hielt mich für hässlich und fett ( hatte aber kein Übergewicht, das war Einbildung).

Irgendwann fantasierte ich mir sogar einen Liebhaber, eine erste scheue Liebe, in Atlantis, natürlich auch ein Römer, ebenfalls ein Flavier, ein ferner Verwandter meines Mitregenten, auch eine Gestalt aus einem Roman von Sutcliffe ( die schrieb sehr spannende historische Jugendromane) und mit meinem ersten realen Freund( im Nachhinein ein schlechter Tausch, da eine Doppelnull) habe ich dann Atlantis für immer verlassen, aber es steht heute noch für mein Paradies, meine Zuflucht in einem Paralleuniversum, ein Synonym für das Reich der Glückseligkeit, dass Innere meines Selbsts, das Land, das Außenstehende nicht betreten können, oder nur mit meiner Erlaubnis. Schotten alle dicht, ein roter Nebel verhindert das Eindringen Unbefugter.

Alles entsprang natürlich meiner kruden pubertären Fantasie, aber es war damals fürmich so real wie für Alice das Wunderland real war. Immer noch finde ich die Römer faszinierend, aber ich sehe natürlich auch die Brutalität und Gefühllosigkeit der Eroberer, ich lese immer noch gerne Fantasy, und besonders interessieren mich Zeitreisen...wenn es eine Zeitmaschine gäbe, ich würde sie nutzen.

Damals hab ich mein Selbstbewusstsein aufgepeppt, denn außerhalb von Atlantis hatte ich nicht viel zu melden, die Welt war düster und leer, ich hatte keine Freunde, meine Eltern verstanden mich nicht, meine Mutter war von meinem Vater voll vereinnahmt, mein Vater hilflos und autoritär dem Wachsen und Erwachsenwerden seiner Tochter ausgeliefert.

Marcus, der brüderliche Freund aus Atlantis, war für mich eine Art Bruderersatz. Ich habe mir immer einen Bruder fantasiert, da mein eigener Bruder seine 1. Lebenswoche nicht überlebte und fortan einen Schatten auf die Familie warf, über den nicht gesprochen wurde, aber eine Präsenz hatte, die nicht wegzuleugnen war. Meine Mutter besucht heute noch auf dem Friedhof den Bereich mit den Kindergräbern, obwohl alle Gräber längst aufgegeben sind und mit Gras überwachsen, nach 50 Jahren.

In meiner Kindheit besuchte ich oft den Friedhof und mir gruselte. Vor allem bei den Kindergräbern. Ich fragte mich, warum Gott diese Kinder wieder zu sich gerufen hatte und warum sie an Unfällen oder Krankheiten gestorben sind, was ihre Eltern falsch gemacht hatten, warum sie sich den Zorn Gottes zuzogen....Schwere Gedanken für ein Kind.

Als ich 4 war, starb meine geliebte Oma, sie war eines Tages einfach weg, niemand sagte mir wohin, ich dachte, sie hätte mich einfach im Stich gelassen. Ich konnte nicht um sie trauern. Ich war nur verletzt und wütend.

Das ist bis heute ein unerlöstes Trauma, später erfuhr ich, dass sie schwer an Krebs erkrankte und schließlich daran starb, aber die Angst der Verlassenen beeinflusste den Rest meines Lebens und so bin ich schließlich auch immer wieder verlassen worden.

Warum es mir auch so schwer fällt, verlässliche Paarbeziehungen aufzubauen. Ich schaffe es immer wieder, dass der andere mich verlässt, meist, weil er etwas besseres als mich gefunden hat.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben, aber auch die Angst vor einer so unglücklichen Verbindung wie der Ehe meiner Eltern, in meinen frühen Jahren geprägt von Alkohol und Geldnot, einem Misanthropen und Despoten als Vater, der seine Frau mit Alkohol unterdrückte und im Rausch beleidigte. Und ansonsten ihre offensichtliche Liebe und Loyalität schamlos für sein im 2. Weltkrieg zerstörtes Ego ausnutzte. Er hatte dort sein Bein gelassen und mit dem Bein auch seinen Lebensmut. Und mit gebracht ein Misstrauen und eine Wut, undefiniert, aber immer unterschwellig vorhanden.

Heute noch habe ich Angst vor Betrunkenen und ich selbst rühre keine Tropfen Alkohol an. Wenn mir jemand von einem Alkoholrausch erzählt, bekomme ich Herzrasen und möchte weglaufen...also ich habe ein Alkoholtrauma, ein Schultrauma und ein Beziehungstrauma.

Aber ich habe eine starke Seele, die das abfängt in meinen Träumen, es sind keine Albträume, eher Auflösungen.

Und Atlantis hat mir immer dabei geholfen mit dem ganzen seelischen Schrott klar zu kommen, ich hab mich einfach ausgeklinkt.

Anfang der 80 ger Jahre, als Michael Ende seine Unendliche Geschichte heraus brachte, schrieb ich meine Atlantischen Abenteuer auf. Das war eine Art Katharsis, ich schrieb über 200 Seiten mit der Schreibmaschine, mehrmals, änderte und kopierte und war dann so vermessen, das für große Kunst zu halten...es war nur Schrott, aber für mich wichtig. Ich verteilte Exemplare im Bekanntenkreis und gab meinen Eltern eins, das letzte davon habe ich im Sommer 09 in die Mülltonne gegeben, jetzt tut es mir fast wieder Leid, aber es war ein peinliches Machwerk. Unlesbar für jeden außer für mich.

So, jetzt wisst ihr über Atlantis Bescheid, über mein Atlantis, das auch irgendwann unterging, ganz still und leise und wieder auferstand in der Serie Stargate Atlantis, die ich zusammen mit meinem Sohn anschaue, ist ein ganz anderer Schauplatz, aber hat was von meiner Idee, dass Atlantis von der Erde verschwand in eine andere Dimension, allein durch die geballte Kraft der Gedanken der Einwohner, darum kann man dort auch durch die Zeiten reisen und in Stargate Atlantis ist dies durch die Stargates möglich, dort ist alles möglich...

Alantis bedeutet für die Menschheit das verlorene Paradies....wohin Adam und Eva nicht zurück kehren können, weil sie einen entscheidenden Fehler machten und sich nicht an Gottes Gesetze hielten.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden, hier nochmal das Original von Donovan:




Möge die Macht mit euch sein und ihr euer eigenes Atlantis finden, irgendwo....hinter dem Horizont.

Hochachtungsvoll
Eure Mrs. Robinson
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